Der Gastroenterologe, Band 5 . Heft 2 . März 2010
Streptococcus-milleri-Sepsis mit Leberabszess und septischem Thrombus der Vena cava inferior bei klinisch blander, gedeckt perforierter Sigmadivertikulitis infolge Fremdkörpereinspießung (Geflügelknochen)
R.Schaub, U. Höllmüller, B. Rüger, P. Junghänel, K. Kletke
Klinik für Innere Medizin, Klinik für Anästhesiologie u. Intensivtherapie, DRK Krankenhaus Lichtenstein
Kasuistik: Nach einem Sturz traten bei einer 72jährigen Patientin zunächst Schmerzen im Kniegelenk rechts bei Z.n. TEP sowie im Bereich HSW und BWS auf. Letztlich entwickelte sich ein unklares septisches Krankheitsbild, die Patientin wurde intensivtherapiepflichtig. Eine abdominelle Symptomatik fand sich nicht. Anamnestisch wurden u.a. ein Ulcus ventriculi und eine Sigmadivertikulose berichtet. Unter der üblichen Sepsis-Therapie und antibiotisch-antimykotischer Kombinationsbehandlung mit Meronem und Diflucan sowie Tazobac kam es zur raschen Besserung der Allgemeinsituation.
Eine Gastroskopie zeigte ein kleines Ulcus ventriculi. Die weitere Fokussuche (WS- MRT, Echokardiographie und TEE sowie transabdomineller Sonographie) erbrachte den Nachweis einer großen Leberraumforderung. Bei einer KM-Sonographie konnte nicht zwischen einem Malignom (HCC) und einem Abszess differenziert werden. Es fand sich jedoch ein Thrombus bis in die VCI und den rechten Vorhof. In den Blutkulturen wurde Streptocuccus milleri nachgewiesen.
Damit lag die Vermutung nahe, dass es sich doch um einen Leberabszess bei viszeralem Fokus handelte. Der Leberherd war bei Sono-Kontrolle unter Antobiose regredient. Auf eine Punktion und Drainage wurde verzichtet. Bei weiter fehlender abdomineller Symptomatik erfolgte eine Koloskopie, die die Sigmadivertikulose mit nur minimal entzündlichem Befund bestätigte. Allerdings fand sich im Sigma ein quer im Lumen liegender und bds. in Divertikel eingespießter Fremdkörper. Dieser konnte mobilisiert, transanal extrahiert und als Geflügelknochen identifiziert werden. In einem der Divertikel zeigte sich ein aphtöses Ulcus. Die Patientin bestätigt, ca. 4 Wochen zurückliegend beim Genuß von Grillhuhn Schmerzen und eine Dysphagie verspürt zu haben.
Zusammenfassung: Es ist davon auszugehen, dass bei der Patientin eine gedeckte Divertikelperforation i.R. einer Fremdkörpereinspießung die Sepsis und damit den Leberabszess nach sich zog. Streptococcus-milleri-Sepsis ist meist hinweisend auf das Vorliegen viszeraler Abszedierungen, selten auch gastrointestinaler Malignome. Einzelfälle, die auf Perforationen im Magen-Darm-Trakt infolge Fremdkörpereinspießung zurückgeführt werden können, sind bisher in der Literatur in vier Einzelfällen beschrieben.